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Filmklassiker: Psycho


»Der beste Freund eines Mannes ist seine Mutter.«

Auf der Flucht vor dem Gesetz sucht Marion Crane (Janet Leigh, Botschafter der Angst) Unterschlupf in einem Motel, das vom schüchternen Norman Bates (Anthony Perkins, Lockende Versuchung) geleitet wird. Bates scheint sich für die Frau zu interessieren, doch seine Mutter, mit der er im Haus hinter dem Motel lebt, scheint aufgebracht über Marions Ankunft zu sein. Unterdessen wird Marion Crane von Privatdetektiv Arbogast (Martin Balsam) sowie Cranes Liebhaber Sam Loomis (John Gavin, Spartacus) und Marions Schwester Lila (Vera Miles, Der schwarze Falke) gesucht. Rasch finden sie das Motel. Doch als der Detektiv versucht, mit Mrs. Bates zu sprechen, erlebt er eine der größten Überraschungen der Filmgeschichte.

Die legendäre Duschszene zählt schnitttechnisch wie auch musikalisch zu den bekanntesten und meistzitierten Szenen der Filmgeschichte. Auch Titelfigur Norman Bates, kongenial verkörpert von Anthony Perkins, gehört zu den berühmtesten Filmfiguren der Geschichte.

Neben Vertigo und Das Fenster zum Hof gilt Psycho als eines der zentralen Werke Hitchcocks.

Kurzbiografie: Anthony Perkins
1932 geboren, gab der New Yorker 1953 in George Cukors Drama Theaterfieber sein Debüt. Für seinen zweiten Film Lockende Versuchung erhielt er als Gary Coopers Sohn eine Oscar-Nominierung. Seine Darstellung in Lieben Sie Brahms? wurde 1961 mit dem Darstellerpreis in Cannes prämiert. Nach dem internationalen Durchbruch als identitätsgestörter Mörder in Psycho spielte Perkins unter anderem in Orson Welles‘ Der Prozeß, der Agatha Christie Verfilmung Mord im Orient-Express und dem Disney-Film Das schwarze Loch. Er starb 1992 an einer durch AIDS verursachten Lungenentzündung, als er sich gerade auf die Arbeiten am fünften Teil der Psycho-Reihe vorbereitete.


»Die ganze Konstruktion des Films kommt mir vor, als steige man eine Art Treppe der Anomalie hinauf. Zuerst ein Beischlaf, dann ein Diebstahl, dann ein Mord, zwei Morde und schließlich Geisteskrankheit.« François Truffaut


Master of Suspense

Alfred Hitchcock, Meister des Suspense, den man mit Begriffen wie MacGuffin oder Vertigo-Effekt in Verbindung bringt, wäre am 13. August 120 Jahre alt geworden. Der 1899 geborene Brite kommt auf ein Repertoire mit 53 Regiearbeiten, davon 9 Stummfilme. Nachdem er zunächst als Assistent in Erscheinung trat, führte er 1925 bei Irrgarten der Leidenschaft erstmals Regie. Mit Erpressung, zugleich sein letzter Stumm- und erster Tonfilm, da parallel zwei Fassungen produziert wurden, setzte Hitchcock erstmals ein Ausrufezeichen. Mitte der 1930er Jahre etablierte er sich zu einer festen Größe des britischen Kinos.

Hitchcocks erster in Hollywood produzierter Film, Rebecca, wurde zwar für elf Oscars nominiert, dennoch waren die ersten Jahre in Amerika nicht einfach für ihn. Filme wie Saboteure oder Berüchtigt wurden trotzdem zu großen Erfolgen. In den 50er Jahren schuf er einige der populärsten Werke der Filmgeschichte: Das Fenster zum Hof, Vertigo und Der unsichtbare Dritte sorgten dafür, dass Hitchcock schon zu Lebzeiten zu einem der wichtigsten Filmemacher der Geschichte wurde. Mit Psycho, seinem ersten Horrorfilm, läutete er sein Spätwerk ein, zu dem auch Die Vögel und Marnie zählen.


Filmografie (Auswahl):
1925 Irrgarten der Leidenschaft 1927 Die Mieter 1929 Erpressung 1931 Nummer Siebzehn 1934 Der Mann, der zuviel wusste 1935 Die 39 Stufen 1936 Geheimagent 1936 Sabotage 1938 Eine Dame verschwindet 1940 Rebecca 1940 Der Auslandskorrespondent 1941 Mr. und Mrs. Smith 1941 Verdacht 1942 Saboteure 1943 Im Schatten des Zweifels 1944 Das Rettungsboot 1945 Ich kämpfe um dich 1946 Berüchtigt 1947 Der Fall Paradin 1948 Cocktail für eine Leiche 1950 Die rote Lola 1951 Der Fremde im Zug 1953 Ich beichte 1954 Bei Anruf Mord 1954 Das Fenster zum Hof 1955 Über den Dächern von Nizza 1955 Immer Ärger mit Harry 1956 Der Mann, der zuviel wusste 1956 Der falsche Mann 1958 Vertigo 1959 Der unsichtbare Dritte 1960 Psycho 1963 Die Vögel 1964 Marnie 1966 Der zerrissene Vorhang 1969 Topas 1972 Frenzy 1976 Familiengrab


Film Facts

  • Der Vorspanntitel wurde (wie bei Vertigo und Der unsichtbare Dritte) von Saul Bass kreiert

  • Die meisten Kostüme waren nicht maßgeschneidert, um die Authentizität zu erhöhen

  • Norman Bates‘ Haus bestand zu Teilen aus der Kulisse des Films Mein Freund Harvey mit James Stewart. Es kostete 15.000 Euro und kann ebenso wie das Motel heute auf dem Gelände der Universal Studios besichtigt werden

  • Das American Film Institute wählte den Film auf Platz 14 der besten Filme aller Zeiten, auf Platz 1 der besten Thriller, Norman Bates auf Platz 2 der größten Filmschurken, Bernard Herrmanns Score auf Platz 4 der besten Filmmusiken und das Zitat „Der beste Freund eines Mannes ist seine Mutter“ auf Platz 56 der besten Filmzitate aller Zeiten

  • Am Set wurde Anthony Perkins von Hitchcock nur „Master Bates“ genannt

  • Hitchcock war so begeistert von Herrmanns Musik, dass er sein Gehalt verdoppelte und der Meinung war, dass ein Drittel der Wirkung des Films nur der Musik zu verdanken sei

  • Janet Leigh duschte angeblich seit den Dreharbeiten bis zu ihrem Tod nie wieder – sondern badete von da an nur noch

  • Nach der Premiere erhielt Hitchcock einen wütenden Brief eines Vaters, dessen Tochter nach der Sichtung von Die Teuflischen nicht mehr baden und nun nach Psycho auch nicht mehr duschen wolle. Hitchcock antwortete nur: „Schicken Sie sie in die Reinigung.“

  • Die Kinos wurden von Hitchcock angewiesen, keine Zuschauer mehr nach Filmbeginn in den Saal zu lassen

  • Kein Hitchcock-Film spielte mehr ein

  • Hitchcocks Cameo erfolgt sehr früh im Film, damit die Zuschauer nicht darauf warten, sondern sich auf die Handlung konzentrieren können


OT: Psycho • USA 1960 • FSK 16 • 119 Minuten • Paramount Pictures • Regie: Alfred Hitchcock • Drehbuch: Joseph Stefano • Musik: Bernard Herrmann • Kamera: John L. Russell • Schnitt: George Tomasini • Darsteller: Anthony Perkins • Vera Miles • Janet Leigh • John Gavin • Martin Balsam • John McIntire




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