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Filmkritik: Love & Friendship


Die Liste der Jane Austen-Verfilmungen ist lang und vielfältig. Während die BBC vor exakt 80 Jahren mit Stolz und Vorurteil die allererste Austen-Interpretation inszenierte, folgte 1940 der gleiche Stoff als aufwändige MGM-Kinoproduktion mit Sir Laurence Olivier als Mr. Darcy. Noch heute gilt der Film als eine der besten Austen-Verfilmungen, in einem Atemzug genannt mit Joe Wrights neuester Auflage des berühmtesten Jane Austen-Romans mit Keira Knightley und Matthew Macfadyen sowie den Verfilmungen von Emma (mit Ewan McGregor und Gwyneth Patrow), Ang Lees Sinn und Sinnlichkeit (mit Emma Thompson, Kate Winslet und Hugh Grant) und Mansfield Park (mit Frances O'Connor). Austens Briefroman Lady Susan, der Love & Friendship als Vorlage diente, wurde bislang noch nie adaptiert - doch das ist dank Whit Stillman nun nicht mehr der Fall - und wir alle können froh darüber sein, denn Love & Friendship ist zweifelsohne eine der besten Jane Austen-Verfilmungen aller Zeiten. Der Film erzählt von der verwitweten Lady Susan Vernon - kongenial von Kate Beckinsale verkörpert, die hier vielleicht so gut wie noch nie zuvor in ihrer Karriere spielt -, die gerade vom Landsitz Manwaring abreist, nachdem dort Gerüchte über ihre angeblichen Affären mit diversen Männern, unter anderem dem verheirateten Landherren Lord Manwaring, verbreitet wurden. Die verarmte Lady Susan findet alsbald Unterkunft bei Ihrem Schwager Charles und dessen schöner Frau Catherine, die ganz und gar nichts von Lady Susan hält - vor allem deswegen nicht, weil diese schamlos Catherines jüngerem, gut aussehenden Bruder Reginald schöne Augen macht. Doch dann taucht Lady Susans Tochter Frederica auf und weigert sich, den reichen, aber überaus dämlichen Sir James Martin zu heiraten. Es kommt zu vielen Intrigen, Verwirrungen und Liebesbekundungen und nur Lady Susans gute, amerikanische Freundin Alicia Johnson hält eisern zu ihr, obwohl deren Mann damit droht, Alicia zurück nach Amerika zu schicken.

Es geht wild zu auf den britischen Landsitzen - und 90 Minuten lang inszeniert Stillman seine Geschichte als urkomische, rasante Komödie, die - ganz anders als bei Austen-Klassikern wie Stolz und Vorurteil - ohne dramaturgische Melodramatik auskommt, sondern mit trockenem Humor und bissigen Dialogen überzeugt und herrlich aufzeigt, wie stark die Diskrepanz zwischen Lady Susans eigentlichen Plänen und der letztendlichen Intention ihres Umfeldes wirklich ist. Love & Friendship basiert auf einem Briefroman, und Stillman inszeniert seinen Film auch ein wenig so, als wäre er ein Hörspiel oder zumindest ein Theaterstück. Es wird viel geredet, oft verbal ausgedrückt, was aktiv getan wird und nur selten verlässt sich der Oscar-nominierte Filmemacher auf rein visuelle Darstellungen. Er liebt seine Geschichte und mit ihr seine Darsteller - alles andere ist für ihn nebensächlich. Liebe und Freundschaft. Das brauchen die Figuren. Mehr nicht.

★★★★☆

Originaltitel: Love & Friendship

IRE/FR/NL 2016 | KSM / Westerly Films | 90 Minuten | FSK 0 | D-Start: 29. Dezember 2016 Regie: Whit Stillman | Drehbuch: Whit Stillman | Kamera: Richard Van Oosterhout | Schnitt: Sophie Corra | Musik: Benjamin Esdraffo | Darsteller: Kate Beckinsale, Morfydd Clark, Tom Bennett, Jenn Murray, Chloe Sevigny, Stephen Fry, Xavier Samuel, Emma Greenwell, Justin Edwards, Kelly Campbell, James Fleet

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